Carboloading vor dem Marathon – wie viel pro kg und Tag

Carboloading: wie viel Gramm Kohlenhydrate pro Tag

Am Vortag des Marathons 10–12 g Kohlenhydrate pro kg, bei 70 kg rund 770 g. Dein Carboloading-Plan Tag für Tag und je Mahlzeit, auch für Halbmarathon.

Tage von heute bis zum Wettkampfmorgen (1–14)

Wie viel du lädst: Distanz und 90-Minuten-Regel

Die Menge hängt an der Distanz und an der 90-Minuten-Regel, nicht an deinem Leistungsniveau. Unter 90 Minuten Wettkampfdauer reicht leichtes Auffüllen statt Carboloading:

WettkampfSpanne am VortagRechner nimmtTage mit mehr KH
Marathon, Ultra 50 km10–12 g/kg11 g/kg4
Halbmarathon über 90 min7–8 g/kg8 g/kg3
5 km, 10 km, Halbmarathon unter 90 min6–7 g/kg7 g/kg1–2 (nur auffüllen)

Den Vortag rechnest du im Kopf nach: Körpergewicht × 11 beim Marathon, × 8 beim langen Halbmarathon, × 7 bei 10 km. Bei 60 kg sind das 660 g, bei 70 kg 770 g, bei 80 kg 880 g. Davor steigt der Plan gleichmäßig von 6 g/kg an einem normalen Tag bis zu diesem Wert, am Wettkampfmorgen kommen 2 g/kg dazu.

Die erwartete Endzeit zählt nur beim Halbmarathon: Trägst du eine Zeit unter 1:30 ein, fällt der Plan auf leichtes Auffüllen zurück – bei 70 kg 490 statt 560 g am Vortag. Beim Marathon ändert die Endzeit keine Zahl. Für den Halbmarathon über 90 Minuten setzt der Rechner bewusst eine Stufe niedriger an als die Leitlinie (8 statt 10–12 g/kg) – das ist unsere redaktionelle Abstufung, keine Studienvorgabe.

Was die Forschung zur Superkompensation zeigt

1967: das alte Schema. Bergström, Hermansen, Hultman und Saltin untersuchten, wie Ernährung das Muskelglykogen und die Ausdauerleistung bestimmt. Daraus entstand das klassische Schema: eine erschöpfende Belastung, dann Tage fast ohne Kohlenhydrate, erst danach das Laden. Empfohlen wird es heute nicht mehr, und dieser Rechner bietet es nicht an.

1981: die kohlenhydratarmen Tage fallen weg. Sherman et al. ließen trainierte Läufer in drei Versuchen dasselbe 5-tägige Laufprogramm absolvieren und änderten nur die Kost. Wer statt 3 Tagen mit nur 15 % Kohlenhydraten 3 Tage mit 50 % aß, hatte nach den anschließenden 3 Tagen mit 70 % praktisch genauso volle Speicher: 203 statt 207 mmol/kg Muskelglykogen. Wegfallen konnten in dieser Studie also die kohlenhydratarmen Tage – das Training war in allen drei Versuchen gleich; ob es auch ohne geht, hat die Studie nicht geprüft.

2002: ein Tag genügt. Bei Bussau et al. aßen acht ausdauertrainierte Männer 10 g/kg Kohlenhydrate pro Tag und blieben dabei körperlich inaktiv – ganz ohne Entleerungstraining. Das Muskelglykogen stieg in 24 Stunden von 95 auf 180 mmol/kg und blieb in den zwei folgenden Tagen auf diesem Niveau.

Heute. Die Leitlinien (Burke et al. 2011; Positionspapier von ACSM, Academy of Nutrition and Dietetics und Dietitians of Canada, Thomas et al. 2016) nennen 10–12 g/kg pro Tag über 36–48 Stunden vor Wettkämpfen über 90 Minuten – daher die 11 g/kg im Rechner. Die Speicher reagieren individuell verschieden, rechne mit 2–3 Wettkämpfen, bis dein Plan sitzt. Und das Laden ersetzt nicht die Verpflegung im Rennen: Den Magen dafür kannst du trainieren. Bei Costa et al. (2017) trainierten 25 Ausdauerläufer zwei Wochen lang in drei Gruppen: Wer dabei Kohlenhydrate zu sich nahm, hatte danach rund 60 % weniger Magen-Darm-Beschwerden – ein stärkerer Rückgang als in der Placebogruppe.

770 g an einem Tag unterbringen

Schwierig ist nicht die Tagesmenge, sondern sie zu verteilen. Bei 5 Mahlzeiten gibt der Rechner 22 % aufs Frühstück, je 28 % auf Mittag- und Abendessen und 10 bzw. 12 % auf die zwei Snacks. Am Vortag bei 70 kg heißt das:

MahlzeitKohlenhydrate
Frühstück169 g
Snack am Vormittag77 g
Mittagessen216 g
Snack am Nachmittag92 g
Abendessen216 g

216 g zum Mittagessen entsprechen etwa 5 Portionen gekochten Nudeln à 140 g (je 43 g Kohlenhydrate). Deshalb helfen Kohlenhydrate zum Trinken: 250 ml Orangensaft liefern 26 g, 500 ml Iso-Getränk 30 g, ohne den Magen zu füllen.

Reis, Nudeln, Couscous, Quinoa und Gnocchi stehen in der Lebensmitteltabelle gekocht gewogen: 200 g gekochter Reis liefern 56 g Kohlenhydrate. Roh abgewogen enthält dieselbe Grammzahl ein Mehrfaches an Kohlenhydraten. Für einen heißen Wettkampftag plane Natrium und Flüssigkeit zusätzlich mit dem Elektrolyt-Rechner (auf Englisch).

Vier Fehler, die das Carboloading kippen

Nur am Vorabend laden. Eine große Portion Nudeln am Abend vor dem Rennen ist kein Carboloading. Allein mit Nudeln bräuchte ein 70-kg-Läufer am Vortag 18 Portionen à 140 g (gekocht), um auf 770 g zu kommen. Geladen wird über 2–4 Tage und mehrere Mahlzeiten.

Fett statt Kohlenhydrate. Burger oder Pizza machen satt, bevor die Kohlenhydrate drin sind. In der Ladephase gilt: wenig Fett, wenig Ballaststoffe – Weißbrot statt Vollkorn, geschältes Obst statt Salat.

Weiter voll trainieren. Die Ladetage fallen ins Tapering: Lange oder harte Einheiten verbrauchen genau das Glykogen, das du gerade speichern willst.

Aus einem zu niedrigen Alltag starten. Die Ziele liegen einen Schritt über deinem normalen Essen, und das hängt vom Training ab: etwa 5–7 g/kg bei rund einer Stunde Training am Tag, 6–10 g/kg bei ein bis drei Stunden täglich. Isst du normalerweise nur 3–4 g/kg, füllt die Ladephase die Speicher bloß auf, statt sie zu überladen – dann zuerst die tägliche Ernährung für Läufer (auf Englisch) angehen.

Carboloading-Plan für die Marathonwoche, Tag für Tag

So sieht der Plan für 70 kg aus – Marathon, 5 Tage bis zum Start, 5 Mahlzeiten. Die Werte kommen direkt aus dem Rechner:

TagPhaseg/kgKohlenhydrate
5 Tage vorherNormal6420 g
4 Tage vorherLaden7,3508 g
3 Tage vorherLaden8,5595 g
2 Tage vorherLaden9,8683 g
VortagSpitze11770 g
WettkampfmorgenWettkampftag2140 g

Für einen Marathon am Sonntag heißt das: Dienstag noch normal essen, ab Mittwoch steigern, Samstag ist der Spitzentag. Gibst du mehr als 5 Tage ein, bleiben die zusätzlichen Tage bei 6 g/kg – geladen wird trotzdem nur 4 Tage. Gibst du weniger als 4 Tage ein, verteilt der Rechner den Anstieg gleichmäßig auf die Tage, die dir bleiben: Bei 3 Tagen sind es 537, 653 und 770 g. Deshalb zeigt derselbe Tag je nach Eingabe andere Zahlen – der Vortag landet immer bei 770 g.

Der Spitzentag ist der Vortag, aber nicht das Abendessen allein: Mittag- und Abendessen bekommen je 216 g. Iss abends früh, fettarm und nur Bekanntes.

Beim Halbmarathon über 90 Minuten lädst du 3 Tage: bei 70 kg 467, dann 513 und am Vortag 560 g.

Häufige Fragen

Wie viel Kohlenhydrate brauche ich am Tag vor dem Marathon?

10–12 g pro kg Körpergewicht, also 700–840 g bei 70 kg und 600–720 g bei 60 kg. Der Rechner nimmt beim Marathon 11 g/kg, bei 70 kg sind das 770 g. Verteilt auf 5 Mahlzeiten ergibt das 169 g zum Frühstück, 77 und 92 g für die Snacks und je 216 g mittags und abends. Die beiden größten Portionen liegen beim Mittag- und Abendessen; abends isst du früh und nur Bekanntes. Am Wettkampfmorgen kommen noch 2 g/kg dazu.

Reicht eine große Portion Nudeln am Vorabend?

Nein. Eine Portion von 140 g gekochten Nudeln liefert 43 g Kohlenhydrate. Für die 770 g, die ein 70-kg-Läufer am Tag vor dem Marathon braucht, wären das rund 18 Portionen. Die Nudeln am Vorabend sind eine Mahlzeit des Carboloadings, nicht das Carboloading selbst: Fang 2–4 Tage vorher an und verteile auf mehrere Mahlzeiten – Reis, Brot, Kartoffeln, Saft. Burger oder Popcorn am Abend füllen vor allem den Magen: Der Burger bringt viel Fett, Popcorn viel Volumen und Ballaststoffe – pro Bissen aber wenig Kohlenhydrate. Mit einer Mahlzeit kommst du so nie auf 770 g.

Wie viele Tage vorher beginnt das Carboloading?

Beim Marathon 4 Tage, beim Halbmarathon über 90 Minuten 3, bei 5 und 10 km 2. Für 70 kg steigt der Marathonplan von 420 g an einem normalen Tag über 508, 595 und 683 auf 770 g am Vortag. Eine ganze Woche Laden bringt nichts zusätzlich: Bei Bussau et al. (2002) erreichten trainierte Ausdauersportler mit 10 g/kg und Ruhe schon nach 24 Stunden volle Speicher, zwei weitere Tage änderten nichts mehr. Nur den Vorabend zu nutzen, ist dagegen zu knapp.

Brauche ich Carboloading für einen Halbmarathon?

Nur wenn du länger als 90 Minuten läufst. Darunter reicht dein gespeichertes Glykogen, eine normale kohlenhydratreiche Mahlzeit am Vorabend genügt. Das passt zu Sherman et al. (1981): Trainierte Läufer waren über 20,9 km mit vollen Speichern nicht schneller, sie verbrauchten nur mehr Glykogen. Planst du dagegen um die 2:10, lädst du 3 Tage mit bis zu 8 g/kg – bei 70 kg 560 g am Vortag. Gibst du deine erwartete Endzeit ein, wendet der Rechner die 90-Minuten-Regel an: unter 1:30 nur leichtes Auffüllen mit 490 g.

Gels im Rennen oder Carboloading davor – was brauche ich?

Beim Marathon beides, denn sie haben verschiedene Aufgaben. Carboloading füllt die Glykogenspeicher in den Tagen vor dem Start, Gels liefern im Rennen Nachschub. Burke et al. (2011) nennen für längere Wettkämpfe 30–60 g Kohlenhydrate pro Stunde als passendes Ziel, bei mehr als 2,5 Stunden können bis zu 90 g pro Stunde helfen. Wie viele Gels das sind, hängt von der Grammzahl auf der Packung ab. Der Magen gewöhnt sich daran: In einer Studie von Costa et al. (2017) gingen die Magen-Darm-Beschwerden bei Läufern, die zwei Wochen lang mit Kohlenhydraten während des Laufens trainierten, stärker zurück als in der Placebogruppe. Neue Gels probierst du also im Longrun aus, nicht am Wettkampftag.

Was frühstücke ich am Wettkampfmorgen?

2 g Kohlenhydrate pro kg, 2–4 Stunden vor dem Start: 140 g bei 70 kg, 120 g bei 60 kg. Der Plan teilt das in 98 g zur Mahlzeit und 42 g als Snack eine Stunde vor dem Start (bei 60 kg 84 und 36 g). Iss nur, was du aus dem Training kennst, ballaststoff- und fettarm: Toast mit Marmelade, Banane, Honig, Orangensaft. Trink in kleinen Schlucken statt ein großes Glas auf einmal.

Nehme ich durch Carboloading zu?

Ja, 1–2 kg, und das ist gewollt. Jedes Gramm Glykogen bindet etwa 3 g Wasser. Die Waage zeigt also Treibstoff samt Wasser, kein Fett – beides verbrauchst du im Rennen. Damit du dich am Start nicht schwer fühlst: am Vortag abends früh und leicht verdaulich essen, wenig Ballaststoffe, kaum Fett.

Literatur 7 Quellen
  1. Bergström J, Hultman E (1966). Muscle glycogen synthesis after exercise: an enhancing factor localized to the muscle cells in man. Nature, 210(5033), 309-310. doi:10.1038/210309a0
  2. Bergström J, Hermansen L, Hultman E, Saltin B (1967). Diet, muscle glycogen and physical performance. Acta Physiologica Scandinavica, 71(2), 140-150. doi:10.1111/j.1748-1716.1967.tb03720.x
  3. Sherman WM, Costill DL, Fink WJ, Miller JM (1981). Effect of exercise-diet manipulation on muscle glycogen and its subsequent utilization during performance. International Journal of Sports Medicine, 2(2), 114-118. doi:10.1055/s-2008-1034594
  4. Bussau VA, Fairchild TJ, Rao A, Steele P, Fournier PA (2002). Carbohydrate loading in human muscle: an improved 1 day protocol. European Journal of Applied Physiology, 87(3), 290-295. doi:10.1007/s00421-002-0621-5
  5. Burke LM, Hawley JA, Wong SHS, Jeukendrup AE (2011). Carbohydrates for training and competition. Journal of Sports Sciences, 29(sup1), S17-S27. doi:10.1080/02640414.2011.585473
  6. Thomas DT, Erdman KA, Burke LM (2016). Position of the Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada, and the American College of Sports Medicine: Nutrition and Athletic Performance. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics, 116(3), 501-528. doi:10.1016/j.jand.2015.12.006
  7. Costa RJS, Miall A, Khoo A, Rauch C, Snipe R, Camões-Costa V, Gibson P (2017). Gut-training: the impact of two weeks repetitive gut-challenge during exercise on gastrointestinal status, glucose availability, fuel kinetics, and running performance. Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, 42(5), 547-557. doi:10.1139/apnm-2016-0453