Herzfrequenzzonen berechnen – Karvonen mit Ruhepuls

Pulszonen und Herzfrequenzzonen fürs Laufen berechnen

Pulszonen mit Ruhepuls: Mit 35 Jahren und Ruhepuls 62 liegt Zone 2 nach Karvonen bei 135–147 bpm, nach % vom Maximalpuls nur bei 110–129 bpm.

So berechnest du deine Herzfrequenzzonen

  1. Alter eingeben

    Aus deinem Alter schätzt der Rechner den Maximalpuls, falls du keinen gemessenen Wert hast.

  2. Ruhepuls eingeben

    Miss ihn morgens nach dem Aufwachen, noch im Liegen. Lässt du das Feld leer, rechnet der Rechner mit 60 bpm.

  3. Maximalpuls eintragen (optional)

    Hast du einen Wert aus einer Leistungsdiagnostik oder einem harten Wettkampf, trag ihn ein. Sonst schätzt der Rechner ihn mit der Formel der gewählten Methode, bei Karvonen mit Tanaka.

  4. Methode wählen

    Karvonen rechnet mit der Herzfrequenzreserve und berücksichtigt deinen Ruhepuls. Die Faustformel, Tanaka und Gulati rechnen in Prozent des Maximalpulses.

  5. Zonen in die Uhr übertragen

    Trag die bpm-Grenzen aus dem Ergebnis in deine Laufuhr ein, damit sie dieselben Zonen anzeigt.

Herzfrequenzzonen mit Ruhepuls berechnen

Der Rechner teilt deinen Puls in fünf Zonen mit festen Grenzen bei 50, 60, 70, 80, 90 und 100 %. Welche Schlagzahl dahintersteht, hängt an zwei Werten: deinem Maximalpuls und – bei der Karvonen-Methode – deinem Ruhepuls.

Welche Methode? Kennst du deinen Ruhepuls, nimm Karvonen – nur diese Methode bezieht ihn ein. Ohne Ruhepuls nimm Tanaka (% vom Maximalpuls). Einen gemessenen Maximalpuls aus einer Leistungsdiagnostik oder einem Wettkampf, in dem du alles gegeben hast, trägst du in jedem Fall ein: Er ersetzt bei jeder Methode die Formel.

Beispiel: 35 Jahre, Ruhepuls 62, Methode Karvonen, kein gemessener Maximalpuls. Der Rechner schätzt den Maximalpuls mit der Tanaka-Formel auf 184 bpm, die Herzfrequenzreserve beträgt 122 Schläge. Daraus werden:

  • Zone 1, Regeneration: 123–135 bpm
  • Zone 2, GA1 – Grundlagenausdauer: 135–147 bpm
  • Zone 3, GA2 – zügiger Dauerlauf: 147–160 bpm
  • Zone 4, Schwelle: 160–172 bpm
  • Zone 5, VO2max: 172–184 bpm

Ruhepuls richtig messen: morgens nach dem Aufwachen, noch im Liegen, eine Minute lang zählen – an drei Tagen, dann den Mittelwert nehmen. Misst deine Laufuhr den Ruhepuls über Nacht, vergleich den Wert einmal mit deiner Morgenmessung. Bei Karvonen lohnt sich der echte Wert: Mit Ruhepuls 72 statt 62 läge Zone 2 bei 139–150 statt 135–147 bpm.

Karvonen-Formel oder % vom Maximalpuls: vier Methoden im Vergleich

Die Karvonen-Formel (Karvonen et al., 1957) rechnet nicht mit dem Maximalpuls allein, sondern mit der Spanne zwischen Ruhe- und Maximalpuls, der Herzfrequenzreserve (HFR):

Zielpuls = (Maximalpuls − Ruhepuls) × Intensität + Ruhepuls

Die Faustformel, Tanaka und Gulati rechnen einfacher: Zielpuls = Maximalpuls × Intensität. Die drei unterscheiden sich nur darin, wie sie den Maximalpuls aus dem Alter schätzen: 220 − Alter, 208 − 0,7 × Alter oder 206 − 0,88 × Alter.

Wie weit das auseinanderliegt, zeigt dieselbe Person – 35 Jahre, Ruhepuls 62 – in allen vier Methoden (Werte in bpm):

MethodeHFmaxZone 2Zone 4
Karvonen (% HFR)184135–147160–172
Faustformel (220 − Alter)185111–130148–167
Tanaka (% HFmax)184110–129147–166
Gulati (% HFmax)175105–122140–158

Bei gleichem Maximalpuls von 184 liegt Zone 2 nach Karvonen am unteren Rand 25 und am oberen Rand 18 Schläge höher als nach % HFmax. Der Grund: Karvonen setzt die Prozente erst oberhalb deines Ruhepulses an. Deshalb können zwei Rechner oder zwei Uhreneinstellungen für dieselbe Person ganz verschiedene „Zone 2“ ausgeben.

In der Laufuhr: Bei Garmin kannst du die Basis der Pulszonen auf Prozent der Herzfrequenzreserve umstellen – das ist Karvonen. Am sichersten trägst du die bpm-Werte aus deinem Ergebnis direkt ein.

Der Maximalpuls ist die größte Fehlerquelle

Alle vier Methoden stehen und fallen mit dem Maximalpuls. Formeln liefern nur einen Durchschnitt für dein Alter; dein echter Wert kann deutlich darüber oder darunter liegen – und mit ihm verschieben sich alle fünf Zonen.

Die Tanaka-Formel 208 − 0,7 × Alter stammt aus einer Metaanalyse von 351 Studien mit 18.712 Personen (Tanaka et al., 2001). Laut den Autoren unterschätzt die alte Faustformel 220 − Alter den Maximalpuls älterer Menschen. Mit 60 Jahren ergibt sie 160 bpm, Tanaka 166 bpm – Zone 2 nach % HFmax verschiebt sich dadurch von 96–112 auf 100–116 bpm. Einen Unterschied zwischen Männern und Frauen fanden Tanaka et al. nicht; die Gulati-Formel 206 − 0,88 × Alter, an Frauen ermittelt, liegt dagegen niedriger.

Wie groß die Spanne allein zwischen den Formeln ist, zeigt ein Blick auf 35 Jahre: 185, 184 oder 175 bpm. Bei 55 Jahren sind es 165, 170 oder 158 bpm – 12 Schläge Unterschied, bevor du einen Meter gelaufen bist.

Maximalpuls selbst bestimmen: Am genauesten ist ein Stufentest in einer Leistungsdiagnostik. Ohne Labor: nach gründlichem Einlaufen 3 × 3 Minuten hart bergauf laufen; der höchste Wert im letzten Anstieg kommt deinem Maximum nahe. Mach das nur, wenn du gesund bist und regelmäßig trainierst – bei Vorerkrankungen oder Unsicherheit vorher ärztlich abklären.

Zone 2 schaffst du nicht? So nutzt du die Zonen im Training

Ein Läufer schreibt, sobald er auch nur etwas schneller laufe, schieße sein Puls auf 170 und höher – in Zone 2 bleibe er nur mit sehr langsamem Laufen und Gehpausen. Bevor du an deiner Form zweifelst, prüf drei Dinge:

  1. Stimmt der Maximalpuls? Siehst du in harten Einheiten regelmäßig Werte über dem geschätzten Maximum, liegen alle Zonen zu tief. Mit 195 statt 184 bpm wandert Zone 2 (Karvonen, Ruhepuls 62) von 135–147 auf 142–155 bpm.
  2. Welche Methode nutzt deine Uhr? % HFmax liefert bei gleichem Maximalpuls deutlich niedrigere Werte für Zone 2 als Karvonen – die Tabelle mit den vier Methoden zeigt, wie viel.
  3. Passt der Tag? Hitze, wenig Schlaf und Koffein heben den Puls bei gleicher Pace. Bei längeren Läufen steigt er auch bei gleichbleibendem Tempo langsam an (kardiale Drift). Lauf dann langsamer oder geh bergauf, statt die Zone zu ignorieren.

Welche Zone für welches Training: lockere Dauerläufe und Longrun in Zone 1–2, zügige Dauerläufe in Zone 3, Tempodauerlauf im oberen Teil von Zone 4, Intervalle in Zone 4–5.

Zone 4 und Schwellenpuls: Der Laktatschwellen-Rechner gibt als Schwellenpuls 85–90 % aus, also nur den oberen Teil von Zone 4 (80–90 %). Bei 35 Jahren sind das 156–166 bpm vom Maximalpuls, mit Ruhepuls 62 nach Karvonen 166–172 bpm. Dazu liefert er die passende Schwellen-Pace aus einer Wettkampfzeit.

Verteilung: Bei national und international erfolgreichen Ausdauersportlern, die 10- bis 13-mal pro Woche trainieren, entfallen rund 80 % der Einheiten auf niedrige und etwa 20 % auf hohe Intensität (Seiler, 2010). Grob übertragen: Bei fünf Läufen pro Woche sind vier locker und einer hart, bei drei Läufen zwei locker und höchstens einer hart.

Neu berechnen: alle 8–12 Wochen mit aktuellem Ruhepuls. Sinkt er um 5 Schläge, rutscht Zone 2 nach Karvonen um 1–2 Schläge nach unten – bei 35 Jahren von 135–147 auf 133–146 bpm.

Häufige Fragen

Welche Pulszonen gibt es beim Laufen?

Üblich sind fünf Zonen mit festen Prozentgrenzen:

  • Zone 1 (50–60 %) – Regeneration: Einlaufen, Auslaufen, ganz lockere Läufe.
  • Zone 2 (60–70 %) – GA1 (Grundlagenausdauer 1): lockerer Dauerlauf und Longrun, du kannst dich in ganzen Sätzen unterhalten.
  • Zone 3 (70–80 %) – GA2, zügiger Dauerlauf; nach Karvonen liegt hier grob das Marathontempo.
  • Zone 4 (80–90 %) – Schwelle: Tempodauerlauf und längere Intervalle. Der Schwellenpuls (85–90 %) ist der obere Teil dieser Zone.
  • Zone 5 (90–100 %) – VO2max: kurze, sehr harte Intervalle.

Bei der Karvonen-Methode beziehen sich die Prozente auf die Herzfrequenzreserve, bei den anderen Methoden auf den Maximalpuls. Deshalb ergeben dieselben Prozente je nach Methode verschiedene bpm-Werte.

Wie funktioniert die Karvonen-Formel?

Die Karvonen-Formel rechnet mit der Herzfrequenzreserve (HFR), also der Differenz zwischen Maximal- und Ruhepuls:

Zielpuls = (Maximalpuls − Ruhepuls) × Intensität + Ruhepuls

Beispiel: Maximalpuls 180, Ruhepuls 60, also HFR 120. Zone 2 (60–70 %) reicht von 120 × 0,6 + 60 = 132 bpm bis 120 × 0,7 + 60 = 144 bpm. Nach reinem % vom Maximalpuls wären es nur 108–126 bpm.

Weil die Prozente erst oberhalb des Ruhepulses ansetzen, liegen die unteren Zonen nach Karvonen deutlich höher.

Mein Puls ist beim langsamen Laufen viel zu hoch – sind meine Zonen falsch?

Das kann an den Zonen liegen, nicht an dir. Zwei Ursachen lassen sich schnell prüfen: die Methode und ein nur geschätzter Maximalpuls. Nach % HFmax liegt Zone 2 bei 35 Jahren bei 110–129 bpm, nach Karvonen mit Ruhepuls 62 bei 135–147 bpm – mit der ersten Einstellung musst du deutlich langsamer laufen.

Erreichst du in harten Einheiten regelmäßig Werte über dem geschätzten Maximum, ist die Formel für dich zu niedrig und alle Zonen liegen zu tief. Trag deinen echten Maximalpuls ein und rechne neu.

Bleibt der Puls trotzdem hoch, lauf langsamer und bau Gehpausen ein, bis er sinkt. Ungewöhnlich hoher Puls zusammen mit Schwindel, Brustschmerz oder Atemnot gehört ärztlich abgeklärt.

Warum passt meine Zone 2 aus der Leistungsdiagnostik nicht zu 60–70 % vom Maximalpuls?

Weil die Leistungsdiagnostik deine Zonen aus gemessenen Schwellen ableitet (Laktat oder Atemgase), nicht aus festen Prozenten. Ein Läufer berichtet von Zone 2 bei 112–140 bpm aus der Spiroergometrie – bei einem Maximalpuls von 178 ergäben 60–70 % nur 107–125 bpm.

Hast du Werte aus einem Labortest, trag sie als bpm-Grenzen direkt in deine Uhr ein. Die Formeln sind für alle, die keinen Test gemacht haben.

Wie genau ist die Formel 220 minus Alter?

Nur als grobe Schätzung. Die Tanaka-Formel 208 − 0,7 × Alter beruht auf einer Metaanalyse von 351 Studien mit 18.712 Personen (Tanaka et al., 2001); laut den Autoren unterschätzt 220 − Alter den Maximalpuls älterer Menschen. Mit 65 Jahren ergibt 220 − Alter 155 bpm, Tanaka 163 bpm.

Beide sind Durchschnittswerte für dein Alter. Dein echter Maximalpuls kann deutlich darüber oder darunter liegen – deshalb ist ein gemessener Wert aus einer Leistungsdiagnostik oder einem Wettkampf, in dem du alles gegeben hast, jeder Formel überlegen.

Welche Formel für den Maximalpuls sollten Frauen nehmen?

Die Gulati-Formel 206 − 0,88 × Alter wurde an Frauen ermittelt und liefert niedrigere Werte: Für eine 45-Jährige ergibt sie 166 bpm, Tanaka 177 bpm und 220 − Alter 175 bpm. Zone 2 nach % HFmax läge damit bei 100–116 statt 106–124 bpm.

Tanaka et al. fanden dagegen keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Wenn du unsicher bist: Rechne beide Varianten und vergleiche sie mit dem höchsten Puls, den du in einem harten Wettkampf gesehen hast. Liegt dieser Wert über der Gulati-Schätzung, ist sie für dich zu niedrig.

Wie stelle ich die Zonen in Garmin oder Apple Watch ein?

Bei Garmin stellst du die Berechnung der Pulszonen fürs Laufen auf Prozent der Herzfrequenzreserve um – das entspricht Karvonen – und trägst Maximal- und Ruhepuls ein. Am sichersten trägst du die bpm-Grenzen aus deinem Ergebnis direkt ein.

Bei der Apple Watch kannst du die automatische Zonenberechnung abschalten und eigene bpm-Grenzen festlegen. Coros, Polar und Suunto erlauben ebenfalls eigene bpm-Zonen in ihrer App.

Kann ich aus meinen Pulszonen eine Zone-2-Pace berechnen?

Nicht direkt. Der Rechner gibt nur Pulswerte in bpm aus, denn welche Pace zu deiner Zone 2 gehört, hängt an Form, Strecke, Temperatur und Tagesform. Bei Hitze wird dieselbe Pulszone spürbar langsamer.

Praktischer Weg: Lauf zwei bis drei Wochen lang nach Puls und notier dir die Pace, die sich bei deinen lockeren Läufen einpendelt. Willst du lieber nach Pace trainieren, zeigt dir der Pace-Rechner fünf Trainingsbereiche in min/km, abgeleitet aus der Pace deiner Zielzeit.

Literatur 6 Quellen
  1. Tanaka, H., Monahan, K.D., & Seals, D.R. (2001). Age-predicted maximal heart rate revisited. Journal of the American College of Cardiology. doi:10.1016/s0735-1097(00)01054-8
  2. Karvonen, M.J., Kentala, E., & Mustala, O. (1957). The effects of training on heart rate; a longitudinal study. Annales Medicinae Experimentalis et Biologiae Fenniae. PMID:13470504
  3. American College of Sports Medicine (2022). ACSM's Guidelines for Exercise Testing and Prescription, 11th Edition. Wolters Kluwer.
  4. Daniels, J. (2014). Daniels' Running Formula, 3rd Edition. Human Kinetics.
  5. Seiler, S. (2010). What is best practice for training intensity and duration distribution in endurance athletes?. International Journal of Sports Physiology and Performance. doi:10.1123/ijspp.5.3.276
  6. Gulati, M., Shaw, L.J., Thisted, R.A., Black, H.R., Bairey Merz, C.N., & Arnsdorf, M.F. (2010). Heart rate response to exercise stress testing in asymptomatic women: the St. James Women Take Heart Project. Circulation. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.110.939249